Die Hinter-türen des Internets

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Sex ist immer die Alternative, egal wonach ich im Internet suche. Pop-ups und Poppen gehören wohl zusammen. So suchte ich vor kurzem nach der Wiederholung einer arte Reisereportage und bekam zur der Liste der Sendetermine folgende Links angeboten: „Analsex! Sechs wichtige Fakten!“ und „Blitz-Orgasmus“. Ich fragte mich, ob Blitzorgasmen populär unter ein Nazis sind und ließ mich zum Analsex weiterleiten.

Susi Kohlmann ist NÉNÉ Kolumnistin und sitzt mit Gedanken an Sex vor dem Internet. Die Ergüsse sind nicht abwaschbar, das Beste was uns Lesern passieren kann!

FOTO: Bernhard Handick

Analsex ist in meiner subjektiven Wahrnehmung erst mit dem Internet wirklich populär geworden. Einer Studie von Pornhub aus dem Jahr 2014 zu Folge suchen besonders russische Internetnutzer explizit nach diesem Begriff. In Homophob-Homeland wird also öfter nach Analsex gesucht als anderswo. Mir wird das Thema meist einfach vor die Füße geworfen. Die Expansion des Netzes verlief zeitlich parallel zur Ausweitung meiner sexuellen Erfahrungen: das Schicksal aller Digital Natives. Angeblich gibt es deswegen nur wenige Studien zum Thema Internetpornographie, weil man einfach keine Probanden im befragungsfähigen Alter (d.h. alt genug, um mit ihnen legal über Sex zu reden) findet. Das sexualisierte Rezeptionsalter von Internetnutzer liegt bei 10 Jahren. Forscher, die versuchen mit frischen Grundschulabsolventen zu wissenschaftlichen Zwecken über deren Sex-Interneterfahrungen zu sprechen, haben nicht das einfachste Los gezogen. Und selbst die, die es versuchen, dürften zu schockiert von Befragungsergebnissen sein, um diese zu publizieren. Denn wie bereits erwähnt, wird über das ehemals tabuisierte Thema ist im angeblich anonymisierten Netzumfeld ganz offen geplaudert.

Take it slow, take it easy on me: Selbermach-Anleitung zum Analsex

Über einfache Googlesuchen finde ich Do-It-Yourself-Anleitung für hausgemachtes Gleitgeld und Analsex-Musikplaylists für den intimen Moment. Ersteres kann man sicher in der heimischen Küche gut nachbasteln, letzteres ist wohl, wie jede sexuelle Vorliebe auch, Geschmackssache. Zum Takt von „Tutti Frutti“ von Little Richard möchte ich nicht penetriert werden, weder von vorne noch von hinten. Mit „My moon, my man“ von Feist kann ich mich da eher anfreunden. Aber auch wenn Analsex im Netz omnipräsent scheint, fällt es scheinbar doch nicht leicht, darüber zu sprechen und zu schreiben. Vom offensiven „Arschficken“ bis hin zum „Salatschleudern“ („tossing the Salad“), findet sich ein Kontinuum von Begriffen, das zugleich intim und irritierend ist.

 

Hyperlink zum Fegefeuer

Und wenn man sich dann endlich in Stimmung gegoogelt hat, kommt doch die Moralkeule. Spätestens auf Seite 3 der Suchbegriffe versucht man mir weiß zu machen, dass mich ein Schwanz in meinen Po nicht nur in die Hölle, sondern auch ins Krankenhaus bringen wird und Frauen ja sowieso aus den völlig falschen Gründen einwilligen sich in den Hinterausgang ficken zu lassen. Keine gute Geschichte fängt jemals mit „nein, lieber nicht“ an und wer glaub schon etwas, das im Internet steht?!

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