nikola

Jungs#2 – Nikola

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Meine Ohren sind meine Augen und ein Geräusch hat mein Kopfkino zum Laufen gebracht. Manchmal ist das reine Zuhören erotischer als der Akt an sich.

Lennard Bluhm hat eigentlich einen anderen Namen, aber das ist ein angemessener Preis dafür, dass wir mit ihm Hand anlegen dürfen. Wir lassen uns von seinen Geschichten erröten, staunen über Schonungslosigkeiten und knüllen unsere verschwitzen Hände in ein klebriges Taschentuch.

FOTO: Marcel Kamps

Frank ist in meiner Parallel Klasse. Wir hängen manchmal zusammen auf dem Schulhof ab und interessieren uns für dieselbe Musik. Eines Tages fragt er mich in der großen Pause, ob ich nach der Schule mit zu ihm kommen möchte. Er wohnt ein Dorf weiter und natürlich komme ich sehr gerne mit, denn Frank hat noch eine Schwester. Nikola. Schon lange beobachte ich sie aus der Ferne. Sie ist ca. ein Jahr älter, wunderschön und unerreichbar. Die Aussicht, in ihre Nähe zu gelangen, versetzt mich nahezu in Aufregung.

Endlich ist die 6. Stunde rum und wir fahren mit dem Schulbus zu Frank. Nikola sitzt schräg vor mir. Ich nehme ihren Duft wahr. Sie riecht so unglaublich gut. Ein bisschen nach Kaugummi, etwas Patschuli und viel, viel Mädchenduft. Verstohlen blicke ich sie an und sehe, wie sie aus dem Fenster blickt. Ihr Hals ist so schön und ihre braunen Haare fallen sanft auf ihre Schultern. Auf ihrem Arm nehme ich die feinen Härchen und die silberne Kette wahr, welche ihr Handgelenk umspielt. Ich stell mir vor wie ich ihren Hals berühre, sie streichel bis ihr Atem schwerer wird, sie meine Hand zwischen Kinn und Schulter einklemmt. Ich wünsche mir, dass die Fahrt nie enden möge. Wir halten an. Bis zu Franks Haus sind es noch etwa 10 Minuten Fußweg. Nikola läuft vor uns her, während Frank und ich mit einer Dose Cola Fußball spielen. Ich hab fast nur Augen für sie. Wie toll sie aussieht beim Laufen, wie schön ihre Beine sind. Ich kann sie wieder riechen. Wir sind da.

Noch bevor ich mich orientieren kann, zieht Frank mich in sein Zimmer. Er zeigt es mir voller Stolz, legt eine Platte auf und bevor ich mir einen Vorwand überlegen muss das Zimmer zu verlassen um bei Nikola zu sein, werden wir auch schon zum Essen gerufen. Ich sitze am Küchentisch und Nikola sitzt mir gegenüber. Sie hat den ganzen Tag über noch kein einziges Wort mit mir gewechselt und macht auch beim Essen keine Anstalten. Ich starre sie an. Zumindest hab ich das Gefühl, dass ich sie anstarre. Bisher hat sie jedenfalls noch nichts dazu gesagt. Zum starren. Ich esse. Und starre. Und träume. Von ihr. Jäh steht sie auf, nachdem sie aufgegessen hat und verschwindet in ihrem Zimmer.

Es ist ruhig. Es ist langweilig. Es ist 14.21 Uhr. Ich muss aufs Klo. Auf dem Weg dorthin komme ich an ihrem Zimmervorbei, welches nicht ganz verschlossen ist und ich kann sie durch den Türspalt sehen. Sie sitzt an ihrem Schreibtisch, die Beine unter dem Stuhl übereinandergeschlagen und liest. Ich schaue sie an. Etwas hält mich fest, ich kann nicht gehen. Ich will sie ansehen und hab gleichzeitig Angst entdeckt zu werden. Ich sehe wieder auf ihren Hals, stell mir vor ich würde hinter ihr stehen und sie dort berühren. Sie schließt die Augen. Meine Hände erreichen ihr Schlüsselbein, wagen sich weiter vor, gehen wieder ein Stück zurück. Wieder weiter vor, ich berühre den Ansatz ihrer Brüste, was allein in der Vorstellung schon fast zu viel für mich ist. Sie dreht sich kurz um und schaut mich an. Unsere Augen gehen eine Verbindung ein. Ich geh aufs Klo. Ich öffne meine Hose und merke, dass mein Schwanz halbsteif geworden ist. Es tut so gut ihn anzufassen. Ich reibe ein bisschen, bewege meine Hand vor- und zurück, nur ein wenig. Ich überlege ob ich weitermachen und kommen soll, aber für den Moment reicht es mir, ihn nur ein wenig in diesem Zustand zu lassen. Ich mag diesen Moment, wenn ich ihn noch angesteift in meine Hose zurückdränge, während er sich eigentlich nach Erlösung  sehnt. Ich rieche an meinen Händen und gehe zurück zu Frank. Nikolas Zimmertür ist verschlossen.

Frank und ich verbringen den sich endlos dahinziehenden Nachmittag mit Musik hören und abhängen. Keine Spur von Nikola. Der Abend bricht an und Frank fragt mich, ob bei ihm schlafen will. Ein Anruf zu Hause und ich hab die Erlaubnis. Ich darf bleiben. Ich bin glücklich. Wo ist sie?

Franks gleichmäßiger Atem verrät mir, dass er wohl eingeschlafen ist. Ich kann nicht schlafen. Bin unruhig und muss aufs Klo. Im Halbdunkel bahne ich mir meinen Weg, versuche möglichst leise zu sein und verharre, für einen kurzen Moment, vor ihrem Zimmer und lausche. Die Holztür ist verschlossen. Sie reicht jedoch nicht bis ganz zum Boden, so dass ein kleiner Schlitz bleibt. Ich höre nichts. Außer meinem eigenen Herzschlag. Was wenn jemand just in diesem Moment vorbei kommt? Was wenn mich jemand sieht wie ich vor Nikolas Tür stehe? Ich will weiter, aber etwas hält mich. Ich hadere. Ich höre in die Nacht. Ich warte und weiß nicht worauf. Vielleicht auf ein Zeichen, was nur sie mir sendet. Plötzlich, ein Geräusch. Ein Bettdeckengeräusch. Ich vernehme dieses Geräusch, zwar sehr leise, dennoch deutlich. Ich bin erstarrt. Was bedeutet das nur? Steht sie auf und wird mich vor ihrer Tür kauernd erwischen? Geht sie im Zimmer umher? Nach wie vor stehe ich vor ihrer Tür und immer schneller schlägt mein Herz, mein Atem geht stoßweise, mein Kopf ist schief da ich so vermeintlich besser höre, etwas Spucke läuft mir den Mundwinkel hinunter. Ich traue mich kaum auszuatmen. Für den Fall, dass ich erwischt werde, bastele ich mir plausible Erklärungen dafür zurecht, warum ich vor ihrer Tür stehe. Da, schon wieder dieses Geräusch, dieses spezielle Bettdeckengeräusch. Ist sie noch wach? Bewegt sie sich im Schlaf? Ich konzentriere mein Ohr, durch die Tür, hin zu ihrem Bett. Mein Ohr ist mein Auge. Das Geräusch, da ist es erneut. Und schon wieder. Und nochmal. Ich vernehme die Geräusche, ohne ihnen schon die für die Tätigkeit typische Rhythmik zuzuordnen.

Dann wird es mir schlagartig gewahr. Mein Ohr ist mein Auge. Ich ordne das Geräusch zu und sehe, wie sich Nikolas Hände unter die Bettdecke geschoben haben. Ich ordne das Geräusch zu und sehe, wie sie sich ihr Nachthemd hoch und ihr Höschen runtergezogen hat, ich ordne das Geräusch zu und sehe, wie sie sich zwischen ihren Beinen berührt, dort streichelt und ihre Hände immer wieder an die Bettdecke stoßen, Ich ordne das Geräusch zu und spüre, wie ich mittlerweile meinen Schwanz aus meiner Boxer-Shorts befreit habe und meine Vorhaut langsam auf- und ab bewege. Ich halte dabei die Luft an um mich nicht über den Atem zu verraten und um nichts von dem, was sich hinter der Tür abspielt, zu verpassen. Ich getraue mich nicht mehr, meine Position zu verändern, da ich Angst vorm knarzen der Dielen habe. Angst davor, mich und die Nähe zu ihr zu verraten. Langsam nur, ganz langsam fahren meine Finger an meinem Schwanz auf und ab. Kam merklich berühre ich mit meiner Fingerspitze die Eichel, die mittlerweile frei liegt und entblößt das Dunkel im Flurschatten durchbricht. Immer wieder vernehme ich das rhythmische Schabern der Decke und habe die Augen geschlossen, da ich so besser hören kann. Ich denke mich in ihre Finger, die sich zwischen ihren Schamlippen verloren haben. Ich kann ihre Feuchte förmlich spüren. Doch war es bisher nur das Geräusch ihrer Hände an dem Stoff so ist das, was ich plötzlich vernehme, fast zu viel für mich und um ein Haar wär ein Stöhnen meinen Lippen entwichen. Leise nur, dennoch deutlich vernehmbar höre ich nun ihren Atem, ein langes, gleichförmiges ausatmen. Nochmal denke ich, nochmal will ich es hören. Ich vernehme es nun deutlicher bis es zu einem kurzen, abgehackten Ausatmen wird.

Ich nehme meine Hand von meinem Schwanz, da ich kurz davor zu kommen, abzuspritzen, mich fallen zu lassen. Lange halt ich das nicht mehr aus, obwohl ich bestimmt schon fast eine Stunde vor ihrem Zimmer stehe. Mir ist kalt und heiß zugleich. Ihr Atem geht nun schneller, stoßweise, ich registriere wie sie sich im Bett hin und her bewegt und ich kann sie förmlich in ihrem Bett sehen, wie sie sich aufbäumt um dann nochmal ein letztes Mal lang auszuatmen. Dann ist es still. Meine Augen sind wieder geöffnet und haben sich an die mich umgebende Dunkelheit gewöhnt. Plötzlich bekomme ich Angst. Ich muss von der Tür weg. Ich fühle mich wie festgewachsen und versuche wieder ein Gefühl in meine Beine zu bekommen. Langsam bewege ich meinen Fuß um zu testen, ob ich mich verraten könnte. Im Wissen darum, dass ich von Holzdielen umgeben bin entschließe ich mich, schnellen Schrittes zum Bad zu gehen. Ich falle fast um dabei, habe ich doch noch immer die Shorts, die ich mir während des Lauschens leise hinunterzog, um meine Knöchel. Ich schaffe es, ohne einen Ton von mir zu geben ins Bad, schließe hinter mir ab und entlade mich, nach zwei-drei Bewegungen, ins Waschbecken. Ich höre nicht auf zu spritzen und es ist eine Kombination aus Lust und Schmerz zugleich. Ich kann das grade erlebte kaum fassen, geschweige denn einordnen und wichse gleich nochmal. Auf dem Weg zurück in Franks Zimmer kommt sie mir im Flur entgegen. Wir schauen uns an. Wissend.

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