Drawing of a penis

Im Anfang war das Wort

–––

Da hat das Johannes Evangelium wohl recht gehabt. Am Anfang war wirklich das Wort, zumindest in der Pornographie. Das Wort „Pornographie“ kommt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet: Von Huren schreibend.

Georg B. ist schon seit je her mehr an schriftlicher Pornographie statt visueller interessiert. Ein No Budget Künstler und Theatermensch der uns mit eigenem Klopapier verzückt (Ja, wirklich! DrawTheShitler.com)

FOTO: Nathalie Herzhoff

Erotische Geschichten wurden schon erzählt, lange bevor das erste Abbild eines nackten Menschen das Licht der Welt erblickte. Bis ins 19. Jahrhundert waren Zeichnungen und Texte die einzig vorhandene Pornographie. Das änderte sich erst mit der Fotografie und auch hierzu steht was im Johannes Evangelium:

„Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit gesehen“

Und Heute?
Doch kehren wir hier dieser Herrlichkeit den Rücken und widmen uns der schriftlichen Pornographie, auch erotische Literatur genannt. Trotz Foto, Film und Internet, lebt sie immer noch in vielen unterschiedlichen Formen, oft gut getarnt.

Am weitesten verbreitet ist der Liebes-, oder Arztroman, der sich an Frauen richtet und trotz seines unschuldigen Auftretens viele explizite Sexszenen beinhaltet. Es ist davon auszugehen, dass auch heute noch diese Romane, nach dem Dildo, die beliebteste Masturbationshilfe für Frauen darstellen. Ich hab das zwar bisher noch von keiner Frau bestätigt bekommen, aber die Verkaufszahlen sprechen für sich, eventuell eine Generationenfrage. Diese Gattung verdient kaum unsere Aufmerksamkeit, da die Romane meist einem festen Muster folgen und sehr langweilig sind. Der Pornoroman aus dem Sexshop ist da kaum besser, wobei hier statt Liebe Perversion im Mittelpunkt steht.Viel spannendere und vor allem unkommerziellere Geschichten findet man im Internet. Von Fanfictionforen bis Fetischseiten gibt es hier nicht nur Quantität, sondern oft auch Qualität. Dieser Dschungel an sexuellen Phantasien verdient es auf jeden Fall durchforstet zu werden.

Versteckte Pornografie
In der grauen Zeit, bevor es das Internet gab, spielte die Verfügbarkeit eine entscheidende Rolle. Jenseits der Sexshops und Liebesromane gab es viel Pornographie ohne Altersbeschränkung, die deswegen bei der Aufklärung Jugendlicher eine große Rolle spielte. Vorneweg die Bravo, in der es immer mindestens eine Sexgeschichte gab:  „Mein erstes Mal“. Genauso harmlos wirkten z.B. Stephen King Romane, die man sich sogar von der Großmutter schenken lassen konnte. In so dicken Wälzern wie „Es“ fällt nicht auf, dass da unter anderem eine Gang bang Szene geschildert wird. Anne Franks Tagebuch oder Günther Grass „Katz und Maus“ werden sogar in der Schule gelesen, wobei Anne Franks sexuelle Niederschriften erst in der Neuauflage nicht zensiert werden. Im Buchladen finden sich auch Romane, bei denen es ausschließlich um Sex geht, oftmals auch sehr pervers. Diese Bücher dürfen da stehen, weil sie als Teil der Weltliteratur gelten und sie zur Kunst erhoben wurden. Daher fallen sie auch nicht unter eine Altersbeschränkung.

Schon damals
Das älteste mir bekannte pornographische Werk findet man ausgerechnet in der Bibel, womit wir wieder beim Anfang wären, diesmal allerdings im Alten Testament: Das Hohelied Salomons. Hierbei handelt es sich um eine Sammlung von Liebesliedern, diemeist als Metapher gesehen wurden für die Liebe zwischen Jesus und der Kirche. Obwohl die Sprache sehr blumig ist, wird klar, dass es hier auch um Sex geht:

„Deine Lenden stehen gleich aneinander wie zwei Spangen, die des Meisters Hand gemacht hat.
Deine zwei Brüste sind wie zwei Rehzwillinge.
Dein Schoß ist wie ein runder Becher, dem nimmer Getränk mangelt.“

Der letzte Satz heißt doch nichts anderes als „Du hast eine ewig feuchte Fotze“. Oder nicht?

×

Comments are closed.